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Caroline Pescoll ist Sustainability Managerin der ADLER Spa Resorts & Lodges. Sie behauptet: „Grüne Werte sind Teil unserer DNA.“ Ich habe sie vor Ort getroffen und sie mit penetranten Fragen gelöchert. Und bin ehrlich beeindruckt über die gelungene Verknüpfung von Luxus und Nachhaltigkeit.

Herzlichen Glückwunsch zur EarthCheck-Zertifizierung*, Frau Pescoll! Das war sicher ein harter Weg.

Der Weg zur Zertifizierung war zeitweise intensiv und herausfordernd. Gerade deshalb war ein systematisches Vorgehen für uns unabdingbar. In rund einem Jahr ist es uns gelungen, die EarthCheck-Zertifizierung für alle ADLER Häuser zu erreichen.

Was wird gefordert für die EarthCheck-Zertifizierung?

Die Vorgaben sind sehr streng und detailliert, vom Aufbau eines Green Teams über die Erhebung von Daten zu Kennzahlen wie Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Abfälle, Chemikalien, Ressourceneinsatz etc. bis hin zum Aufbau eines Nachhaltigkeitsmanagement-systems. Zudem wird eine kontinuierliche Verbesserung und Aufrechterhaltung verlangt. Die EarthCheck-Zertifizierung wird jährlich überprüft.

Wie funktionieren diese Green Teams in der Praxis?

In jedem unserer sechs Häuser gibt es ein Green Team, das für die Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie zuständig ist. Die Teams stehen in regelmäßigem Austausch mit den Mitarbeitenden vor Ort, sammeln Ideen, Hinweise und Verbesserungsvorschläge und prüfen, was sich im jeweiligen Betrieb sinnvoll umsetzen lässt. Zusätzlich tauschen sich die Koordinatorinnen und Koordinatoren der Green Teams auf Gruppenebene regelmäßig aus. Die Ergebnisse werden gemeinsam besprochen und die nächsten Schritte im Austausch mit der Familie Sanoner festgelegt.

Erhalten Sie Unterstützung von außen?

Ja. Wir wurden vom Terra Institute während des gesamten Prozesses der Erstzertifizierungen professionell begleitet. Die Unterstützung war vor allem in der Vorbereitung auf die Audits und Zertifizierungen wichtig, um uns strukturiert mit den Anforderungen vertraut zu machen.

Parallel dazu haben wir „ADLER for Planet“ gestartet – ein gruppenweites Nachhaltigkeitsprogramm, das unsere Ziele und Maßnahmen bündelt und die Umsetzung von Nachhaltigkeit in den einzelnen Häusern langfristig unterstützt.

v.l.n.r.: Lukas Sanoner, Andreas Sanoner, Moritz Sanoner, Verena Sanoner, Klaus Sanoner, Karin Sanoner, Franziska Sanoner und Maximilian Sanoner – Familie Sanoner ist seit sieben Generationen das Herz der ADLER Hotels.

„Grüne Werte sind Teil unserer DNA“ ist eine Art Leitspruch von ADLER. Was ist damit gemeint?

Nachhaltigkeit ist bei ADLER seit jeher Teil der Unternehmensphilosophie. Unser Anspruch ist es, Lebensräume im Gleichgewicht mit Umwelt, Menschen und Region zu gestalten. Bis heute ist diese Einstellung fest verankert in den Köpfen der Eigentümer und Mitarbeitenden.

Sind die ADLER-Hotels Vorzeige-Betriebe?

Wir sehen uns in einer Vorreiterrolle, die wir bewusst wahrnehmen möchten. Im Rahmen der EarthCheck-Zertifizierung wurden unsere Häuser von der Auditorin als Vorzeigebetriebe bezeichnet. Das bestätigt unseren Ansatz und motiviert uns, diesen Weg weiterzugehen und andere Betriebe zu inspirieren.

Ich will es genau wissen. Fangen wir mit dem Bereich Wasser an.

Wasser spielt in der Hotellerie eine zentrale Rolle. Für einen bewussten Umgang setzen wir auf smarte Technologien wie optimierte Steuerungen, wassersparende Armaturen, die Nutzung von Grauwasser sowie – an einzelnen Standorten – eigene Kläranlagen.

In unseren Gartenanlagen arbeiten wir mit überwiegend heimischer, klimagerechter Bepflanzung mit minimalem Bewässerungsbedarf. Alle unsere Hotels beziehen ihr Trinkwasser aus der jeweiligen Region – im ADLER Spa Resort DOLOMITI etwa aus der Confin-Quelle am Fuß des Langkofels –, stellen es den Gästen kostenlos zur Verfügung und verzichten bewusst auf Ein- und Mehrwegflaschen. Das reduziert zusätzlich Transportwege.

Frisches Quellwasser jeden Tag – im Hotelzimmer oder beim Essen in den Restaurants selbstverständlich gratis.

Wie gehen die ADLER Häuser mit ihrer Wäschelogistik um?

Die Frotteewäsche, also Handtücher und Bademäntel, wird in den Häusern selbst gewaschen, während Tisch- und Bettwäsche extern aufbereitet werden. Für den Standort in den Dolomiten ist  eine hoteleigene Wäscherei geplant, um Lieferwege weiter zu reduzieren.

Wir haben vollständig auf biologisch abbaubare Waschmittel umgestellt und verzichten auf Bleichmittel. Gleichzeitig sensibilisieren wir unsere Gäste für einen bewussteren Umgang – etwa bei der Nutzung von Handtüchern im Sauna- und Wellnessbereich sowie durch angepasste Wechselintervalle der Bettwäsche. Dennoch sind die Wäscheberge groß.

Wie sichern Sie eine umweltfreundliche Energieversorgung?

Seit 2024 decken alle ADLER Spa Resorts und Lodges ihren gesamten Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Durch den konsequenten Einsatz von grüner Energie, eigene Photovoltaikanlagen und umfassende Effizienzmaßnahmen senken wir den Energieverbrauch unserer Resorts und vermeiden gleichzeitig erhebliche CO₂-Emissionen. Zur Wärmeerzeugung setzen wir auf Technologien wie Pelletsheizungen, Fernwärme, Wärmepumpen, Geothermie und Blockheizkraftwerke. Zusätzlich kommen Wärme-rückgewinnungssysteme zum Einsatz, die Energie aus Abluft, Abwasser oder Kühlprozessen wieder nutzbar machen.

Wie wird mit Müll umgegangen?

Unser Ansatz beginnt bei der Vermeidung. Wo möglich, reduzieren wir Abfall bereits entlang der Lieferkette sowie in den betrieblichen Abläufen der Hotels. In den Häusern selbst legen wir großen Wert auf konsequente Mülltrennung und Recycling.

Ein zentraler Faktor ist dabei die Sensibilisierung unserer Mitarbeitenden, denn Abfallmanagement funktioniert nur im Alltag. Ergänzend setzen wir auf standortspezifische Lösungen – etwa die Kompostierung organischer Abfälle im ADLER Spa Resort Sicilia.

Kann man Architektur und Interieur ökologisch und dennoch luxuriös gestalten?

Ja. Besonders bei Neubauten achten wir darauf, den Eingriff in die Umgebung möglichst gering zu halten und die Anlagen in die bestehende Landschaft einzubetten. Dazu gehören unter anderem der Einsatz natürlicher, regionaler Materialien, begrünte Dachflächen, die Nutzung von Tageslicht sowie energieeffiziente Bauweisen.

Diese Herangehensweise ist in der Planung und Genehmigung oft komplexer, langfristig aber der nachhaltigere Weg – und aus unserer Sicht immer die bessere Entscheidung.

Natürlich gewachsen oder vielleicht eine Sauna? Mimikry in der ADLER Lodge Ritten.

Wie wird die Lebensmittel- und Getränkeauswahl im Sinne der ADLER-Philosophie gestaltet?

Unsere Häuser befinden sich in sehr unterschiedlichen Regionen, und diese Vielfalt spiegelt sich bewusst in der Lebensmittel- und Getränkeauswahl wider. Wir legen großen Wert auf regionale Produkte und arbeiten – je nach Standort – mit Produzentinnen und Produzenten aus Südtirol, der Toskana und Sizilien zusammen. Dazu zählen landwirtschaftliche Erzeugnisse ebenso wie Wein, unter anderem aus unserem eigenen Weingut in der Toskana.

Gleichzeitig achten wir auf verantwortungsvolle Beschaffung entlang der Lieferkette. Bestimmte Produkte lehnen wir aus Überzeugung ab. Um Transportwege zu reduzieren, bündeln wir Lieferungen, arbeiten mit ausgewählten Partnern zusammen und bauen – wo möglich – Gemüse und Kräuter in hoteleigenen Gärten an.

Auf dem Ritten wird viel Gemüse angebaut, das dann in der Hotelküche verwertet wird.

 Die Kartoffeln kommen zum Beispielaus dem Vinschgau.

Naturbelassen, kaltgeschleudert und reich an natürlichen Wirkstoffen – die biologische Vielfalt des Rittens findet sich im ADLER-Honig wieder, der aus den Bienenstöcken im Garten der ADLER Lodge Ritten stammt.

Die Metzgerei Kalter Keller Da Franco ist eine von den lokalen Partnerbetrieben der Lodge Ritten.

Im ADLER werden viele vegetarische Gerichte serviert. Und die sehen einfach nur himmlisch aus! Wie alles.

Was passiert im sozialen Bereich – welche Initiativen setzen die ADLER Häuser um?

Im sozialen Bereich engagieren wir uns vielfältig. Dazu gehören Kooperationen mit sozialen Einrichtungen, kulturellen Initiativen und regionalen Vereinen in allen Destinationen.

In Südtirol und Sizilien arbeiten wir unter anderem mit lokalen Behindertenzentren zusammen, unterstützen Tierschutzeinrichtungen und organisieren Müllsammelaktionen. In der Toskana kooperieren wir mit einer sozialen Genossenschaft, die sich lokal für soziale und Bildungsprojekte engagiert. Ergänzend fördern wir standortübergreifend kulturelle Veranstaltungen im Haus sowie Maßnahmen zur Instandhaltung und Weiterentwicklung von Wegen im jeweiligen Umfeld.

Auch bei Müllsammelaktionen wie hier auf dem Ritten ist ADLER mit von der Partie.

Braucht man in den ADLER Hotels in Südtirol ein eigenes Auto?

In den ADLER Hotels in Südtirol fördern wir sanfte Mobilität. Unsere Häuser sind auch ohne eigenes Auto gut erreichbar – etwa mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Hoteltransfer von Bozen oder Brixen.

Vor Ort stehen den Gästen mit der Südtiroler Mobilitätskarte alle öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung. Zusätzlich bieten wir E-Autos sowie einen kostenlosen E-Bike-Verleih an. In den Dolomiten befinden sich zudem die Skigebiete Seiser Alm und Sella Ronda direkt vor den Hotels.

Kleinere Touren geplant? Dafür gibt es die hoteleigenen E-Autos.

Sind es immer Leuchtturmprojekte oder entsteht Wirkung auch im Kleinen?

Oft sind es gerade die kleinen Schritte, die viel bewirken. Gäste bringen ihre Badeschlappen von zu Hause mit, Handtücher in den Wellnessbereichen sind bewusst dünner und kleiner gewählt, Slips bei Behandlungen bestehen aus Stoff statt Einwegmaterialien. Die Pools werden mit Salz statt Chemie betrieben und abends abgedeckt, um Wärmeverluste zu reduzieren. Informationen gibt’s per QR-Code auf einem Holzwürfel im Zimmer, beim Housekeeping kommen Eco-Produkte zum Einsatz und die Teams werden regelmäßig geschult. Kurze Wege, effiziente Systeme und nachhaltige Lieferketten gehören genauso dazu – Ressourcenschonung ist Teil unserer täglichen Arbeitsweise.

Wo ist noch Luft nach oben? Wo gibt es Grenzen?

Ein fünf-Sterne-Hotel ist Energie-intensiv. Das ist nicht zu ändern. Die Energieeffizienz kann sicherlich noch verbessert werden. Auch noch mehr ins Detail gehen ist möglich und wirklich jedes einzelne Produkt in jedem einzelnen Haus ganz genau unter die Lupe nehmen.

Achten Gäste auf die EarthCheck-Zertifizierung?

Unsere Gäste wählen ADLER in erster Linie wegen des Qualitätsversprechens. Umwelt- und Sozialverantwortung werden dabei zunehmend als selbstverständlich wahrgenommen.

EarthCheck ist für uns kein Ziel an sich, sondern ein anerkanntes Instrument, das unseren Bemühungen Struktur und Transparenz verleiht und international etabliert ist.

Was machen Sie, wenn ein Gast einen Wunsch hat, der nicht zur ADLER-Philosophie passt?

Dann erfüllen wir ihn in der Regel. In einem fünf-Sterne-Hotel dürfen Gäste Luxus erwarten. Menschen kommen zu uns für einen erholsamen und wunderschönen Urlaub auf höchstem Niveau. Und das sollen sie bekommen. Die meisten bewegen sich allerdings in Richtung „weniger ist mehr“. Unser Anspruch ist es, Möglichkeiten anzubieten und transparent zu erklären – nicht vorzuschreiben.

Luxus und grüne Werte passen also zusammen?

Aber natürlich! Die ADLER Spa Resort und Lodges sind das beste Beispiel. Unser Ziel ist es, Exzellenz und Komfort mit ökologischer Nachhaltigkeit zu verbinden und das stetig zu optimieren.

Ihre Visionen für die ADLER Hotels?

ADLER als glaubwürdige Referenz für verantwortungsvolles und zukunftsorientiertes Nachhaltigkeitsmanagement im hochwertigen Segment zu etablieren. Ressourcenschonende Prozesse, kontinuierliche Optimierung und viele kleine Maßnahmen, die für Umwelt und Menschen Wirkung entfalten und Orientierung für andere geben können.

* Die EarthCheck-Zertifizierung ist ein internationaler Standard mit Hauptsitz in Australien, der touristische Betriebe auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit prüft. Dafür müssen Betriebe ihre Verbräuche erfassen, Verbesserungen nachweisen und sich alle ein bis zwei Jahre einem unabhängigen Audit stellen. 

Caroline Pescoll hat Tourismusmanagement und International Business studiert und dabei an den schönsten Orten der Erde gelebt. Ihr Herz gehört jedoch ihrer Heimat Südtirol. Und so ist sie zurückgekehrt nach St. Ulrich und hält als Sustainability Managerin die Fäden zusammen zwischen der Eigentümerfamilie Sanoner und den Mitarbeitenden aller ADLER Spa Resort & Lodges.

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