Es duftet nach Holz, es grünt und blüht im herrlichen Garten, auf den Tisch kommen regionale Produkte, vor der Tür geht’s zum Wandern – im Winter mit Schneeschuhen. Beim Naturhotel Lüsnerhof ist der Name Programm. Dass sich Alleinreisende besonders wohl fühlen, liegt an einem besonderen Konzept.
„Das ist der Community-Table“, erfahre ich bei der Hausführung. Für Weinproben denke ich mir in Anbetracht der vielen guten Tropfen in den Regalen. Aber das ist nur eine Aufgabe des schönen großen Tischs, wo gut 20 Personen Platz haben. Hier finden Gäste zusammen, die nicht gern allein essen wollen. Singles, aber auch Paare, Freundinnen, Mutter-Tochter-Duos – alle, die Lust auf Konversation haben. „Die soziale Komponente ist doch essenziell für ein schönes Urlaubserlebnis“, findet Franz Hinteregger. Der Hotelchef ist auch gern gesehen am Tisch.
Franz Hinteregger ist weit weg von einem distinguierten „Guten Abend die Herrschaften, wünsche gut zu speisen.“ Er ist wie ein Freund, begleitet die Gäste bei Wanderungen, kann Qi Gong und Waldbaden. Im Verbreiten guter Laune ist er Meister. Besonders donnerstags, denn da ist Showtime für sein schon legendäres Männertrio. Live seit 40 Jahren an Instrumenten von Akkordeon und Gitarre, über Harfe und Maultrommel bis hin zu Alphorn. Das Gästeerlebnis steht an erster Stelle. Nicht nur hier.
Weiter geht’s in den Wellnessbereich. Ein Himmelreich für Genießer. Wo soll ich nur anfangen?!? Im Dampfbad? In der großen Sauna? In der etwas kleineren? Oder in der Salzgrotte wie im Toten Meer an der Oberfläche treiben? Ah und versteckt in der Ecke ist ja noch eine Sauna! Nein, jetzt weiß ich, wie ich starte: mit dem Wellness-Parcours hinterm Haus. Erst in die Infrarot-Gondel am Bach, dann in die urige Schwitzhütte weiter oben die Wiese hinauf, denn heute bespielt sie die Schamanin mit einem heißen Ritual.
Danach muss ich mich ausruhen. Meine Sorge, keine freie Liege zu finden, wie in vielen anderen Wellnesshotels, ist völlig unbegründet. Es gibt gefühlt zehn für jeden Gast. Drinnen, draußen, in allen erdenklichen Varianten! Und viel Abwechslung zum Planschen: Pool, Whirlpool, Naturbadeteich – brrrr kalt! „Ein Wellnesshotel in dieser Größe mit so viel Platz für jeden, ist eine Seltenheit hier in Südtirol.“, sagt Hinteregger. Recht hat er.
Als hingebungsvolle Yogini melde ich mich für eine Yogastunde an. Allein der Raum entführt mich in eine Welt von Ruhe und Achtsamkeit. Das Yoga heute entpuppt sich allerdings als Qi Gong. Auch gut. Habe ich noch nie gemacht. Yaping ist unsere Kursleiterin. Stöcke aus dem Wald sind unsere Hilfsmittel. Sehr nachhaltig, gefällt mir. Der Kurs ist super! Yoga ist bestimmt ähnlich gut, da bin ich mir sicher.
Auch in die Kulinarik hat das Naturhotel Lüsnerhof viel Natur gepackt. Schon beim Frühstücksbuffet mit Käse, Wurst, Aufstrichen, Eiergerichten nach Wunsch, frisch zubereitet zum Zuschauen, Obst- und Gemüsesäften zum Selberpressen, Körnern rauf und runter fürs kreative Müsli, frischen Früchten, zig Butter- und Milchsorten. Mittags à la carte, nachmittags ein Snack aus Suppen, Salaten, Aufstrichen, abends die Qual der Wahl zwischen mehreren kreativen Gerichten. Alles wird frisch zubereitet, ist meist in Bio-Qualität, kommt aus dem eigenen Garten oder von lokalen Bergbauern, Anbietern, Lieferanten.
Und der Clou: Alleinreisende werden nahe zueinander platziert, damit sie sich kennenlernen, wenn sie das möchten.
„Guten Morgen! Gut geschlafen?“ werde ich auf dem Weg zum Frühstück von der Rezeption begrüßt. Alle sind so saunett hier. „Bestens!“ antworte ich top gelaunt, kein Wunder: meine Suite im Nebenhaus duftet nach Holz, ist herrlich geräumig und luxuriös und vom Balkon aus habe ich eine Bilderbuchaussicht auf Garten, Berge, Grün, Natur. Alle Zimmer sind so – stillvoll, großzügig, mit allem, was das Herz begehrt. Im Lüsnerhof setzt man auf jahrmillionenaltes Dolomitgestein aus dem Naturpark Puez-Geisler sowie auf heimisches Zirben- und Lärchenholz aus den Wäldern rund um Lüsen.
Und der Clou: Singles und Alleinreisenden zuliebe wurden in den letzten Jahren einige Doppelzimmer in Einzelzimmer umgewandelt. Ein echter Mehrwert, der großartig ankommt.
Als Gast spürt man schnell: Die Stimmung im Team ist super, der Chef ist einfach „der Franz“, seine Leidenschaft gehört der Hotellerie (und man kann froh sein, dass er nicht Lehrer geworden ist, wie geplant). Fürs gute Miteinander lässt sich Familie Hinteregger einiges einfallen: der große Firmenausflug zum Saisonende, die Mitarbeiter-Party einmal pro Monat oder eine Fortbildung – in Kellereien oder Kaffeeröstereien zum Beispiel.
Lage, Ruhe, Garten, gute Luft, Wellnessbereich, Fitnessraum mit Boulderwand (!), leckeres Essen, immer freie Liegen in vielen Ruhezonen, Wandermöglichkeiten direkt vor der Tür – damit hat sich das Naturhotel Lüsnerhof einen besonderen Platz in meinem Herzen gesichert. Und mit einem Detail, das den Nerv der Zeit trifft: Singles und Alleinreisende finden hier Gleichgesinnte. Ungezwungen und unkompliziert.